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Frauen in Rumänien

von Edmond Nawrotzky-Török

Die Stellung der Frauen entlang der Geschichte war immer eine den Männern unterstellte, obwohl es in vielen Fällen berühmte Ausnahmen gegeben hat, welche es mit den größten Männern der Zeit aufnahmen und sie in vielen Punkten übertrafen. In dieser Hinsicht stellt Rumänien keine Ausnahme dar. Man sollte jedoch beachten, dass die Frauen hier noch etwas mehr benachteiligt werden als in vielen anderen Ländern. Um die Stellung der rumänischen Frauen besser verstehen zu können, muss man zunächst die Strukturen der rumänischen Gesellschaft vor und nach der Wende von 1989 betrachten.

Vor 1989 war Rumänien ein Land, welches unter der kommunistischen Diktatur schwere Schicksalsschläge hatte hinnehmen müssen. Die eiserne Faust des Regimes erreichte jeden, der es wagte, sich ihm zu widersetzen. Menschen konnten mitten in der Nacht ohne Angabe von Gründen verschleppt und verprügelt werden. Die meisten Menschen fürchteten sich sehr vor dem Regime und wagten es nicht, gegen Ceausescu ihre Stimme zu erheben. Der Status der Frau war zu dieser Zeit zumindest theoretisch dem des Mannes gleichgestellt. Aber in Wirklichkeit musste eine Frau viel mehr arbeiten. Das alltägliche Leben war außerdem alles andere als einfach, wenn man bedenkt, dass es kaum Nahrungsmittel in den Geschäften gab.

Doch selbst in diesen harten Zeiten, stieß das korrupte kommunistische System auf den Widerstand von Menschen, die sich nicht scheuten, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Unter ihnen gab es auch Frauen, von denen eine ganz besonders in den Vordergrund der rumänischen Geschichte trat: Elisabeta Rizea, eine wahre Heldin des rumänischen Volkes, welche das von Uderzo und Goscigny beschriebene kleine Gallierdorf in Rumänien Wirklichkeit werden ließ. Denn die ehemalige Stasi, der gefürchtete Geheimdienst Ceausescus (rumänischer Diktator, 1989 gestürzt und hingerichtet), hatte zehn Jahre gebraucht, um das kleine Dorf Nucsoara (Nukschoara) zu besiegen.

Elisabeta Rizea und einige weitere Frauen spielten bei der Unterstützung der Freiheitskämpfer eine entscheidende Rolle. Viele dieser Frauen fielen den Kommunisten zum Opfer. Frau Rizea selbst wurde zum Tode verurteilt, erhielt jedoch schließlich mit der Verurteilung 25 Jahre Haft und wurde sogar vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Sie starb 2003, und ihr zu Ehren will jetzt die Academia-Catavencu-Zeitschrift, eine der wichtigsten Meinungsbildner Rumäniens, ein Denkmal errichten lassen.

Nach 1989 kam die “Freiheit”. Das Wort muss in Anführungszeichen stehen, da viele Rumänen die Meinung vertreten, dass man es im Dezember 1989 eher mit einem Staatsstreich zu tun hatte. Infolge dieser neuen Freiheit veränderte sich der Status der Gesellschaft und mit ihm die Stellung der Frau dramatisch. Hatte man bis dahin einen festen Arbeitsplatz, musste man nun unter den Umständen einer sich langsam herausbildenden Marktwirtschaft zusehen, wie Arbeitsplätze abgebaut und Menschen ihre Existenzgrundlage verloren. Die Fehler und das Erbe des Kommunismus traten nur zu deutlich ans grelle Tageslicht und die Lage verschlechterte sich dermaßen, daß viele Menschen die kommunistische Zeit zurücksehnten.

Die Frauen von heute haben es nicht leicht. Häufig müssen sie niedrigere Löhne aktzeptieren und werden von vielen Arbeitgebern ausgebeutet. Bei der Auswahl der besten Bewerber und Bewerberinnen wird zunächst oft eine Frau bevorzugt, doch nur damit sie später feststellt, dass sie ganz andere Dienste leisten muss, so teilte mir eine ehemalige Kollegin mit.

Und heutzutage wagen es die Frauen kaum, etwas gegen durch Männer erfahrene Ungerechtigkeit zu unternehmen. Sie fügen sich eher, als sich gegen die Schmach aufzulehnen, die sie täglich hinnehmen müssen. Man muss nicht weit gehen, um solche still vor sich hin leidenden Frauen zu finden. Eine Frau aus der Nachbarschaft ist mit einem Mann verheiratet, der sie psychisch angriff. Doch sie hat einen Sohn und daher wird der Ehemann nicht verlassen. Ihr Mann hat ernste Alkoholprobleme. Er will sich aber nicht helfen lassen und bevorzugt es, seine Sorgen trinkend zu bewältigen.

Zwei andere Nachbarinnen haben ebenfalls Probleme mit ihren Männern. Die eine wurde von ihrem Partner, einem älteren Mann, ständig angeschrien, bis sie schließlich zu der Schlussfolgerung kam, das Beste wäre, ihm einfach den Laufpass zu geben. Was sie auch mutig tat. Die Zweite wird von einem psychisch instabilen Mann regelrecht terrorisiert. Er brüllt sie ununterbrochen an, die Frau kann nichts richtig machen. Ich habe sie noch nie sprechen gehört und denke während jeder Schreiattacke ernsthaft daran, die Polizei zu verständigen. Eine weitere Bekannte aus Bistritz, einer kleinen Stadt im Norden Rumäniens, hatte auch Probleme mit ihrem Ehemann. Auch hier, wie so oft, brachte der Alkohol das Schlimmste aus ihm heraus, und er schlug oft auf seine Frau ein. Als sie mit der Scheidung drohte, ließ er davon ab, und die beiden sind auch heute noch zusammen. Und das aus einem guten Grund: Sie hat ein Kind von ihm, welches ihr selbstverständlich wichtig ist. Wie in vielen anderen Ländern und durch wirtschafltliche Not verstärkt, sind die Frauen in Rumänien durch ihre Kinder erpressbar und ertragen die tägliche Gewalt durch ihre eigenen Männer schweigend.

Eines wird dennoch deutlich: die Frauen in Rumänien müssen sich zuerst selbst helfen. Keine Frau verdient es, geschlagen zu werden. In Spanien haben die Frauen endlich ihre Angst überwunden und rufen nun gemeinsam zum Kampf gegen brutale Ehemänner auf. Das ist eine Frage der Einstellung, denn Frauen müssen sich ihrer Menschenrechte gewahr werden. Außerdem, keine Frau sollte ihr gesellschaftliches Leben opfern, um den Vorstellungen eines verrückten Mannes gerecht zu werden.

Doch die häusliche Gewalt ist nur eines der vielen Probleme, mit denen sich die Frauen Rumäniens auseinandersetzen müssen. Angefangen mit der Verrichtung der meisten häuslichen Arbeiten und der Erziehung der Kinder, von den Einkäufen für den Haushalt bis hin zu der Rolle des Vermittlers in vielen Konflikten zwischen dem Vater und den Kindern sind hauptsächlich die Frauen für Alltag, Familie und Soziales “zuständig”.

Erfreuliches gibt es glücklicherweise auch zu berichten. Äußerst bemerkenswert ist, dass sich Frauen hierzulande zunehmend in der Politik engagieren. Ein gutes Beispiel dafür ist Smaranda Enache, eine hochintelligente Absolventin der Bukarester Universität. Sie spricht vier Sprachen fließend und ist eine der wichtigsten und geschätztesten rumänischen Persönlichkeiten des bürgerlichen Lebens. Die 52-Jährige erhielt immerhin 1212 Stimmen als Bürgermeisterkandidatin in der Universitätsstadt Klausenburg (Cluj – Napoca) und belegte somit den fünften Platz. Auch wenn dies für den Außenstehenden wenig erscheint, ist es ein wichtiger Schritt in Richtung Normalisierung der Gesellschaft, in welcher sowohl Männer als auch Frauen eine Stimme haben. Es gibt auch weitere positive Beispiele wie Monica Tatoiu. Sie kandidierte ebenfalls für den Posten des Bürgermeisters, und zwar in Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens, und belegte den vierten Platz mit zwei Prozent der Wahlstimmen. In dem Augenblick, in dem die Menschen Vorurteile fallen lassen, kann die Gesellschaft nur Fortschritte verzeichnen und damit kann sich die Stellung der Frauen in Rumänien und überall normalisieren.


2004-06-08 Edmond Nawrotzky-Török
Text: ©Edmond Nawrotzky-Török
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